[Die lange Reise]

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In jüdischen Haushalten galt die Aufbewahrung von Leichentüchern als unrein, dennoch gab es bereits zu Zeiten Kaiser Konstantins im Jahre 313 erste Gerüchte über die Existenz des Tuches in Jerusalem. Aus dem 6. Jahrhundert wird konkret aus Edessa in der heutigen Osttürkei berichtet, dort gebe es ein Tuchbildnis, das nicht von Menschenhand geschaffen sei. Es wurde damals vierfach gefaltet in einem Schrein aufbewahrt, der nur das Portrait für den Besucher sichtbar machte. Im Jahre 944 wurde das Tuch von den Byzantinern im Triumphzug von Edessa nach Konstantinopel gebracht. Am Tuch selbst kann man diese Reise ablesen - es finden sich Sporen von Pflanzenarten aus Jerusalem, aus Anatolien und schließlich auch aus Konstantinopel darauf.

Unter ungeklärten Umständen verschwand das Tuch zur Zeit der Kreuzzüge aus Konstantinopel, viele Indizien sprechen dafür, dass Ritter des Templer-Ordens es nach der Zerstörung der Stadt 1204 nach Mitteleuropa brachten. Am 30. September 1241 wird es mit zahlreichen anderen Reliquien in die Sainte Chapelle nach Paris überführt. Um 1353 gelangt es in den Besitz eines burgundischen Ritters, der es in die Champagne brachte. Und 1453 übertrug Margarete von Charny das Tuch dem Herzoghaus der Savoyer, die es 1578 nach Turin brachten.


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